P&R UNTERNEHMENSGRUPPE – VORLÄUFIGE INSOLVENZVERFAHREN

Die P&R Unternehmensgruppe besteht aus Anlagefirmen, die Anlegern Investitionen in Schiffscontainer ermöglicht. Es gibt in der gesamten P&R Gruppe laut Eigenauskunft über 50.000 Kapitalanleger. Alleine in den letzten 10 Jahren wurde nach Auskunft der P&R Gruppe ein Containerverkaufsvolumen von über 7 Milliarden Euro abgewickelt.

Insolvenzanträge gestellt (Update)

Nachdem zunächst zu drei Gesellschaften der P&R Unternehmensgruppe Insolvenzanträge gestellt worden sind, wurden jetzt auch zu den Gesellschaften P & R Transport-Container GmbH und die P & R AG Insolvenzanträge gestellt.

Betroffen sind damit von der Krise der P&R Unternehmensgruppe folgende Gesellschaften:

  • P & R Container Leasing GmbH (Az.: 1542 IN 727/18)
  • P & R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az.: 1542 IN 726/18)
  • P & R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az.: 1542 IN 728/18)
  • P & R Transport-Container GmbH (Az.: 1542 IN 1127/18)
  • P & R AG (Az.: 1542 IN 1128/18)

 

Nach der Stellung der Insolvenzanträge wird das zuständige Insolvenzgericht prüfen, ob das jeweilige Insolvenzverfahren eröffnet wird. In der Zwischenzeit ist für alle fünf Gesellschaften ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden.

Weiteres Verfahren bei Insolvenzeröffnung

Sollte über die Gesellschaften jeweils das Insolvenzverfahren eröffnet werden, so werden die Gläubiger der einzelnen Gesellschaften von dem dann jeweils bestellten Insolvenzverwalter aufgefordert werden, Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden. Eine Frage wird dann sein, mit welcher Quote die Insolvenzgläubiger befriedigt werden. Erfahrungsgemäß wird in einem Insolvenzverfahren nur ein Bruchteil des eingesetzten Anlagekapitals wertmäßig an die Gläubiger zurückfließen.

Das Investitionsmodell war so aufgebaut, dass Investoren Eigentum an Containern erwerben. Dementsprechend kommen grundsätzlich auch Aussonderungsansprüche in Betracht. Dies bedeutet, die Investoren könnten je nach vertraglicher Gestaltung als Eigentümer der Container, diese herausverlangen.

Da wohl kaum ein Investor Interesse an der Herausgabe eines Containers hat und es gegebenenfalls auch schwierig wird, den einzelnen Container zu bestimmen, wird sich nach Insolvenzeröffnung die Frage stellen, ob hier eine praktikable Lösung gefunden wird.

Nunmehr berichtet unter anderem die Tagesschau, dass mehr als 1 Millionen Container gar nicht vorhanden sind. Sollte dies zutreffend sein, so werden viele Anlager gar kein Eigentum an Containern erworben haben. Dann kommt natürlich für diese Anlager kein Aussonderungsrecht in Betracht.

Schadensersatzansprüche prüfen

Unabhängig der möglichen Insolvenzverfahren stellt sich bei Kapitalanlagen stets die Frage, ob Anlageberater oder Anlagevermittler aufgrund von Beratungs- und Aufklärungsfehler in Haftung genommen werden können.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes müssen Anlageberater bei der Beratung die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kunden berücksichtigen und insbesondere das Anlageziel, die Risikobereitschaft und den Wissensstand des Anlageinteressenten abklären. Sollte gegen Aufklärungs- und Beratungspflichten verstoßen werden, so kommen Direktansprüche gegen den Anlageberater in Betracht.

Schließlich kommt auch gegen Anlagevermittler Schadensersatzansprüche in Betracht. Anlagevermittler müssen unter anderem dann, wenn die Anlage anhand eines Prospekts vertrieben wird, das Prospekt im Rahmen einer Plausibilitätsprüfung daraufhin überprüfen, ob ein insgesamt schlüssiges Gesamtbild vorliegt und die enthaltenen Informationen sachlich richtig und vollständig
sind.

Ob eine Haftung in Betracht kommt, ist in jedem Einzelfall gesondert zu prüfen. Zur Sicherung der Rechte sollte ein erfahrener Rechtsanwalt im Insolvenzrecht hinzugezogen werden.

Weitere Informationen zu dem Verfahrensstand kann auf der Webseite des vorläufigen Insolvenzverwalters (>www.frachtcontainer-inso.de) abgerufen werden.